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Ganz glokal

Die zweisprachige Kunstzeitschrift „frieze d/e“ aus Berlin startet Ende April
Interview mit Jennifer Allen von Daniel Mufson

Zur britischen Kunstzeitschrift „frieze“ gehören eine jährliche Kunstmesse in London, eine Stiftung und der Verlag, der das renommierte Magazin veröffentlicht. Am 28. April kommt noch etwas dazu: „frieze d/e“, wobei „d/e“ für „deutsch/englisch“ steht. Denn die neue Zeitschrift aus Berlin wird zweisprachig sein. Mit einer Auflage von 15.000 soll sie zunächst viermal jährlich erscheinen. Chefredakteurin Jennifer Allen kommt aus Kanada, unterrichtete Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität Berlin und schrieb für viele Publikationen, darunter „artforum“, „Parkett“, „Süddeutsche Zeitung“, „taz“ und zitty.

Frau Allen, warum brauchen wir noch eine Zeitschrift über zeitgenössische Kunst?

„frieze d/e“ ist keine neue Verpackung der englischen „frieze“. Unsere Inhalte sind unabhängig, und wir haben ein neues Konzept für ein Kunstmagazin. Traditionell betrachten Zeitschriften von einer Metropole aus die ganze Welt. Wir machen das Gegenteil und fokussieren unsere Berichterstattung hauptsächlich auf Deutschland, die Schweiz, und Österreich.

Was unterscheidet „frieze d/e“ von Magazinen wie „Monopol“ oder „Texte zur Kunst“?

„Monopol“ wendet sich eher an ein breites Publikum und „Texte zur Kunst“ richtet sich mehr an ein Fachpublikum. Wir sehen uns zwischen den Polen von journalistischem und akademischem Schreiben und wollen klare, zugängliche Beiträge über zeitgenössische Kunst anbieten.

Und wieso zweisprachig?

Welche Sprachen hören Sie hier hauptsächlich auf einer Ausstellungseröffnung? Deutsch und Englisch. Wir wollen eine gemeinsame mediale Plattform für diese von beiden Sprachen geprägte Community schaffen.

Welche Rolle spielt dabei Ihre kanadische Herkunft?

In Quebec prägt die Zweisprachigkeit das tägliche Leben. Als Kritikerin in Berlin habe ich in den vergangenen 15 Jahren für internationale Magazine und Zeitschriften geschrieben und musste dabei immer mit der Mehrsprachigkeit umgehen, da die Künstler und Künstlerinnen, meine Leserschaft und ich nicht unbedingt die gleiche Sprache sprechen und auch keinen gemeinsamen kulturellen Background haben. Früher sind Kritiker davon ausgegangen, dass sie gewisse Werte mit ihren Lesern teilen: die Sprache, den Ort, das Wissen über Kunstgeschichte. Das ist in der globalisierten Welt nicht mehr möglich. Daher kann die Kritikerin niemand sein, die nur beurteilt, sie muss auch vermitteln.

Erst erschienen in Zitty, 21. April – 4. Mai 2011, S. 97.

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