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Die Debatte ist eröffnet

Die Debatte ist eröffnet
Was seit der Zustellung des “Offenen Briefs an Klaus Wowereit” geschehen ist

Der Streit über Klaus Wowereits Pläne für eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst im Sommer hat eine Grundsatzdebatte über die Berliner Kulturpolitik hervorgebracht. Am 25. Januar hatten 228 Akteure aus der Kunst einen offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister und Kultursenator Wowereit geschickt (zitty 3/2011). Darin fordern die Unterzeichner die Revision des Konzepts für die so genannte Leistungsschau junger Kunst am Humboldthafen, zudem eine öffentliche Diskussion über die Nutzung von Kunst für die Stadtentwicklung und einen Dialog über die Arbeitsbedingungen von Künstlern in der Stadt.

Die Zahl der Unterzeichner ist Anfang Februar auf über 2.000 gestiegen. Die fünf Kuratoren der geplanten Ausstellung, Angelique Campens, Fredi Fischli, Magdalena Magiera, Jakob Schillinger und Scott Cameron Weaver, haben ein Statement „zur kulturpolitischen Bedeutung der geplanten Ausstellung“ geschrieben, das per Mail kursiert. Die Kuratoren bezeichnen darin ihr Vorhaben als Grundlage einer „öffentlichen Diskussion“ über Sinn, Formen und Finanzierung von Berliner Gegenwartskunst.

Die Idee für die Ausstellung sei vor rund zwei Jahren während einer Podiumsdiskussion im Hamburger Bahnhof entstanden, schreibt Klaus Biesenbach an zitty, einer der drei Berater des Projekts. Man habe erforschen wollen, welche Kunst derzeit Künstler schaffen, um dann geeignete Präsentationsformen zu finden. Befürworter und Gegner einer solchen Ausstellung sehen diese stets in Zusammenhang mit der permanenten Kunsthalle, die zu Wowereits Regierungszielen zählt, jedoch von seiner eigenen Partei abgelehnt wurde.

Wowereits neue Pläne liefern nun offenbar genügend Stoff für eine Debatte über Lebens- und Arbeitsbedingungen Berliner Künstler und die Rolle von Kultur für Tourismus und Stadtentwicklung. Die 1,6 Millionen öffentlicher Mittel, die für die Ausstellung zweckgebunden bereit stehen, führen den Mangel in anderen Kunstbereichen vor Augen. Nur rund vier Millionen Euro, so mahnen die Unterzeichner des offenen Briefes, stehen pro Jahr im Berliner Kulturhaushalt für zeitgenössische Kunst jenseits der großen Museen bereit.

Die fünf Kuratoren erklären in ihrem Statement, von den 1,6 Millionen Förderung einen Großteil für Produktionsbudgets und Honorare der teilnehmenden Künstler ausgeben zu wollen. Das umstrittene Wort „Leistungsschau“, das von Pressestellen verbreitet worden sei und die Differenz zwischen Politik und Kunst symbolisiere, lehnen auch sie ab. „Wir glauben, dass diese Differenz nicht dadurch verschwindet, dass man das Wort wegnimmt“, sagt Schillinger, „sondern dadurch, dass man tatsächlich auf Vermittlung setzt: die Kunst einer breiteren Öffentlichkeit nahe bringt, zu der unter diesem Aspekt auch die Kulturpolitiker gehören.“

Vor allem soll der offene Brief zum Dialog auffordern. Die freie Kuratorin Ellen Blumenstein, die mit dem Künstler und Filmkuraotr Florian Wüst das Schreiben initiiert hat, wünscht sich Gespräche zwischen Vertretern der Kunst, Klaus Wowereit und Kulturstaatssekretär André Schmitz. Eine Antowrt auf den Brief haben die Initiatoren bis Redaktionsschluss noch nicht erhalten. Schmitz findet viele Kritikpunkte des Briefes berechtigt. An der Ausstellung hält er fest: „Wir stehen dazu und sind sicher, dass es eine spannende Ausstellung wird“. Ende Februar wollen die Kuratoren ihr Konzept auf einer Pressekonferenz erläutern. Vielleicht sprechen sie dann nicht nur über Kunst, sondern auch über die Kunst der Politik und die Politik der Kunst.

Erst erschienen in Zitty, 10.-23. Februar 2011, S. 79.

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